PBT Kunststoff – Eigenschaften, Verarbeitung und Anwendungen

PBT Kunststoff, ausgeschrieben Polybutylenterephthalat, ist ein teilkristalliner thermoplastischer Polyester für maßhaltige und technisch anspruchsvolle Bauteile. Der Werkstoff verbindet eine geringe Feuchtigkeitsaufnahme mit guten elektrischen Isolationseigenschaften, hoher Steifigkeit, guter chemischer Beständigkeit und wirtschaftlicher Verarbeitbarkeit.

Besonders häufig wird PBT für Steckverbinder, Schalter, Sensorbauteile, Spulenkörper, Gehäuse und Komponenten im Fahrzeugbau eingesetzt. Je nach Anforderung stehen unverstärkte, glasfaserverstärkte, flammgeschützte, schlagzäh modifizierte und hydrolysestabilisierte PBT-Typen zur Verfügung.

Martan Plastics unterstützt Industrieunternehmen bei der Auswahl geeigneter Kunststoffwerkstoffe und bei der Herstellung anwendungsspezifischer Komponenten.

Was ist PBT?

PBT gehört zur Werkstoffgruppe der thermoplastischen Polyester. Es entsteht durch die Polykondensation von Terephthalsäure beziehungsweise entsprechenden Ausgangsverbindungen mit 1,4-Butandiol.

Der Kunststoff besitzt eine teilkristalline Werkstoffstruktur. Diese beeinflusst unter anderem die Steifigkeit, Festigkeit, chemische Beständigkeit, Schwindung und Wärmeformbeständigkeit. Im Gegensatz zu amorphen Kunststoffen besitzt PBT einen definierten Schmelzbereich und ist in unverstärkter Form üblicherweise nicht transparent.

Die schnelle Kristallisation ist ein wesentlicher Vorteil bei der Verarbeitung. Sie ermöglicht kurze Formgebungs- und Abkühlzeiten, weshalb PBT besonders für die wirtschaftliche Serienfertigung im Kunststoff-Spritzguss geeignet ist.

Die wichtigsten Eigenschaften von PBT Kunststoff

PBT wird eingesetzt, wenn ein Bauteil auch bei wechselnder Feuchtigkeit, erhöhten Temperaturen oder Kontakt mit Betriebsmedien maßhaltig und funktionsfähig bleiben soll. Das konkrete Eigenschaftsprofil hängt jedoch stark von der jeweiligen PBT-Type, möglichen Verstärkungsstoffen und den Verarbeitungsbedingungen ab.

Geringe Wasseraufnahme

Ein entscheidender Vorteil von PBT ist seine im Vergleich zu vielen Polyamiden geringe Wasseraufnahme. Dadurch verändern sich Abmessungen und mechanische Eigenschaften bei wechselnder Luftfeuchtigkeit nur vergleichsweise wenig.

Diese Feuchtestabilität ist besonders wichtig für Bauteile mit engen Toleranzen, präzisen Rastverbindungen, elektrischen Kontaktabständen oder definierten Passungen. Typische Beispiele sind Steckverbinder, Sensorgehäuse, Spulenkörper und Schaltelemente.

Hohe Maßhaltigkeit

Die geringe Feuchtigkeitsaufnahme und die vergleichsweise hohe Steifigkeit ermöglichen eine gute Dimensionsstabilität. PBT eignet sich deshalb für Präzisionsbauteile, deren Funktion von reproduzierbaren Abmessungen abhängt.

Bei glasfaserverstärkten Typen steigen Steifigkeit und Wärmeformbeständigkeit deutlich. Gleichzeitig können durch die Faserorientierung richtungsabhängige Schwindung und Verzug entstehen. Die Bauteilgeometrie, Anspritzposition und Werkzeugauslegung müssen deshalb auf die jeweilige Materialtype abgestimmt werden.

Gute mechanische Festigkeit und Steifigkeit

Unverstärktes PBT bietet ein ausgewogenes Verhältnis aus Steifigkeit, Festigkeit und Zähigkeit. Glasfaserverstärkte Varianten, beispielsweise PBT GF30, erreichen wesentlich höhere Festigkeits- und Steifigkeitswerte und eignen sich dadurch für mechanisch stärker beanspruchte Konstruktionsteile.

Bei tiefen Temperaturen oder ausgeprägten Kerben kann PBT jedoch spröder reagieren. Scharfe Übergänge, ungünstige Wandstärkensprünge und hohe lokale Spannungen sollten deshalb konstruktiv vermieden werden.

Gute elektrische Isolation

PBT besitzt gute dielektrische Eigenschaften und behält diese aufgrund der niedrigen Feuchtigkeitsaufnahme vergleichsweise stabil. Der Werkstoff wird daher häufig für Komponenten der Elektroindustrie und Elektronik verwendet.

Je nach Werkstofftype sind hohe Kriechstromfestigkeiten, gute Durchschlagsfestigkeiten und flammgeschützte Ausführungen erhältlich. Für sicherheitsrelevante Anwendungen müssen die konkrete Materialfreigabe, die erforderliche UL-Klassifizierung, Wandstärke und Bauteilgeometrie geprüft werden.

Gute chemische Beständigkeit

PBT ist gegenüber zahlreichen Ölen, Fetten, Kraftstoffen, Alkoholen und vielen organischen Lösungsmitteln beständig. Dadurch eignet sich der Werkstoff für Bauteile, die mit Schmiermitteln, Reinigungsmedien oder Betriebsflüssigkeiten in Kontakt kommen.

Einschränkungen bestehen unter anderem gegenüber starken Laugen, bestimmten heißen wässrigen Medien und lang andauernder Hydrolysebelastung. Für feuchte und thermisch belastete Umgebungen stehen speziell hydrolysestabilisierte PBT-Typen zur Verfügung.

Die tatsächliche Beständigkeit sollte immer anhand der konkreten Chemikalie, Konzentration, Temperatur, Einwirkdauer und mechanischen Belastung bewertet werden.

Gute Oberflächenqualität

PBT ermöglicht im Spritzguss saubere Oberflächen und die präzise Abbildung feiner Geometrien. Das ist beispielsweise für sichtbare Gehäuseteile, Steckkonturen, Rastnasen und kleine Funktionselemente von Vorteil.

Typische technische Kennwerte von PBT

Die folgende Tabelle zeigt Orientierungswerte für unverstärkte und technisch modifizierte PBT-Typen. Sie ersetzt kein materialspezifisches Datenblatt. Glasfaseranteil, Additive, Konditionierung, Prüfmethode und Verarbeitungsbedingungen können die Werte deutlich verändern.

Eigenschaft Typischer Orientierungsbereich Typischer Prüfstandard
Dichte etwa 1,30 bis 1,35 g/cm³ ISO 1183
Schmelztemperatur etwa 220 bis 230 °C ISO 11357
Zugfestigkeit, unverstärkt häufig etwa 50 bis 65 MPa ISO 527
Elastizitätsmodul, unverstärkt häufig etwa 2.000 bis 2.800 MPa ISO 527
Wasseraufnahme nach 24 Stunden häufig etwa 0,1 bis 0,2 % ISO 62
Verarbeitungsschwindung, unverstärkt häufig etwa 1,5 bis 2,5 % typabhängig
Wärmeformbeständigkeit stark abhängig von Belastung und Verstärkung ISO 75
Kriechstromfestigkeit abhängig von Type und Additivierung IEC 60112

Wichtig: Wärmeformbeständigkeit und zulässige Dauergebrauchstemperatur dürfen nicht gleichgesetzt werden. Die Wärmeformbeständigkeit beschreibt das Verhalten eines genormten Prüfkörpers unter einer definierten Last. Die zulässige Einsatztemperatur eines realen Bauteils hängt zusätzlich von Belastung, Einsatzdauer, Geometrie, Umgebung und Materialalterung ab.

Temperaturbeständigkeit von PBT

Die Temperaturbeständigkeit von PBT ist stark von der verwendeten Werkstofftype abhängig. Unverstärktes PBT und glasfaserverstärktes PBT können bei erhöhter Temperatur ein deutlich unterschiedliches mechanisches Verhalten zeigen.

Dauergebrauchstemperatur

Für viele PBT-Typen werden langfristige Einsatztemperaturen im Bereich von ungefähr 100 bis 130 °C angegeben. Speziell stabilisierte oder verstärkte Typen können je nach Anwendung auch darüber eingesetzt werden. Eine pauschale Freigabe bis 140 °C ist jedoch ohne Prüfung des konkreten Werkstoffdatenblatts nicht belastbar.

Bei der Auslegung müssen neben der Umgebungstemperatur insbesondere mechanische Lasten, Einwirkdauer, Temperaturwechsel, Luftzufuhr, Feuchtigkeit und chemische Medien berücksichtigt werden.

Wärmeformbeständigkeit

Glasfaserverstärkte PBT-Typen erreichen eine deutlich höhere Wärmeformbeständigkeit als unverstärkte Varianten. Dadurch können sie für formstabile Gehäuse, Träger, Halterungen und Stecksysteme in thermisch beanspruchten Bereichen eingesetzt werden.

Hohe Werte aus einem Datenblatt gelten jedoch ausschließlich für die angegebene Prüfmethode, Belastung und Probekörpergeometrie. Sie lassen sich nicht unmittelbar als maximal zulässige Bauteiltemperatur übernehmen.

Temperaturwechsel

PBT ist grundsätzlich für Bauteile geeignet, die wiederholt erwärmt und abgekühlt werden. Bei der Konstruktion müssen die Wärmeausdehnung des Kunststoffs, angrenzende Werkstoffe und mögliche Spannungsspitzen berücksichtigt werden.

Bei Metall-Kunststoff-Verbindungen können unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten zu zusätzlichen Belastungen führen. Geeignete Toleranzen, flexible Befestigungspunkte und spannungsarme Geometrien erhöhen die Betriebssicherheit.

Elektrische Eigenschaften und Brandschutz

Die Kombination aus elektrischer Isolation, geringer Feuchtigkeitsaufnahme und guter Maßhaltigkeit macht PBT zu einem wichtigen Werkstoff für elektrische und elektronische Komponenten.

Typische Anwendungen sind:

  • Stecker und Steckverbinder
  • Schaltergehäuse
  • Anschlussklemmen
  • Spulenkörper
  • Relaisträger
  • Sicherungskomponenten
  • Sensorträger
  • Gehäuse für Steuerungs- und Leistungselektronik

Für Anwendungen mit Brandschutzanforderungen stehen flammgeschützte PBT-Qualitäten zur Verfügung. Je nach Type können Klassifizierungen wie UL 94 V-0 erreicht werden. Die Einstufung gilt allerdings nur für definierte Materialstärken und die jeweils geprüfte Materialrezeptur.

Auch die Kriechstromfestigkeit ist typabhängig. Ein konkreter CTI-Wert sollte deshalb nicht verallgemeinert, sondern dem Datenblatt der vorgesehenen PBT-Qualität entnommen werden.

PBT im Spritzguss

PBT wird vor allem im Spritzguss verarbeitet. Die gute Fließfähigkeit ermöglicht die Herstellung dünnwandiger Bauteile, filigraner Konturen und komplexer Funktionsgeometrien. Die schnelle Kristallisation unterstützt kurze Zykluszeiten und eine wirtschaftliche Serienproduktion.

Trocknung vor der Verarbeitung

PBT ist im späteren Einsatz wenig feuchtigkeitsempfindlich, muss vor der Schmelzeverarbeitung aber sorgfältig getrocknet werden. Zu hohe Restfeuchte kann während der Verarbeitung zu einem hydrolytischen Abbau der Polymerketten führen. Dadurch können Festigkeit, Zähigkeit und Oberflächenqualität beeinträchtigt werden.

Trocknungstemperatur, Trocknungsdauer und zulässige Restfeuchte richten sich nach dem jeweiligen Herstellerdatenblatt. Pauschale Vorgaben sollten nicht auf alle PBT-Typen übertragen werden.

Verarbeitungstemperatur

Die Massetemperatur liegt bei vielen PBT-Typen ungefähr zwischen 240 und 260 °C. Die geeignete Werkzeugtemperatur hängt von Materialtype, Bauteilgeometrie, Oberflächenanforderung und gewünschtem Kristallisationsgrad ab.

Eine zu niedrige Werkzeugtemperatur kann die Oberflächenqualität und Kristallisation beeinträchtigen. Eine zu hohe thermische Belastung oder lange Verweilzeit kann dagegen zu Materialabbau führen.

Schwindung und Verzug

Als teilkristalliner Kunststoff weist PBT eine höhere Verarbeitungsschwindung auf als viele amorphe Thermoplaste. Bei unverstärkten Typen kann sie häufig im Bereich von etwa 1,5 bis 2,5 Prozent liegen.

Glasfasern reduzieren die Schwindung, führen jedoch zu einer stärkeren Richtungsabhängigkeit. Die Faserorientierung entlang der Fließwege kann unterschiedliche Längs- und Querschwindungen verursachen. Eine werkstoffgerechte Werkzeug- und Bauteilauslegung ist deshalb entscheidend.

Konstruktionshinweise für PBT-Bauteile

Damit PBT seine Eigenschaften im Bauteil zuverlässig ausspielen kann, sollten bereits während der Konstruktion einige Grundsätze berücksichtigt werden.

  • Wandstärken möglichst gleichmäßig auslegen
  • abrupte Wandstärkensprünge vermeiden
  • Übergänge und Innenecken ausreichend verrunden
  • Rippen und Dome werkstoffgerecht dimensionieren
  • Schwindung und mögliche Faserorientierung berücksichtigen
  • Kerbspannungen an Rastnasen und Befestigungspunkten reduzieren
  • Metalleinleger spannungsarm integrieren
  • Temperatur- und Feuchtebedingungen realistisch definieren
  • notwendige Kriechstrom- und Brandschutzklassen frühzeitig festlegen

Bei hochbelasteten Bauteilen empfiehlt sich eine bauteilbezogene Prüfung. Datenblattwerte werden an genormten Probekörpern ermittelt und bilden komplexe Geometrien, Schweißnähte, Alterung und reale Belastungskombinationen nur eingeschränkt ab.

PBT GF30 und weitere modifizierte PBT-Typen

Durch Verstärkungen und Additive lässt sich das Eigenschaftsprofil von PBT gezielt an unterschiedliche Anwendungen anpassen.

PBT GF30

PBT GF30 enthält in der Regel rund 30 Prozent Glasfasern. Gegenüber unverstärktem PBT bietet der Werkstoff eine deutlich höhere Steifigkeit, Festigkeit und Wärmeformbeständigkeit. Gleichzeitig sinken Schwindung und thermische Ausdehnung.

Zu berücksichtigen sind eine geringere Bruchdehnung, eine höhere Kerbempfindlichkeit, anisotrope Eigenschaften und ein stärkerer Werkzeugverschleiß bei der Verarbeitung.

Flammgeschütztes PBT

Flammgeschützte PBT-Varianten werden für Steckverbinder, Schalter, Spulenkörper und andere elektrische Komponenten verwendet. Abhängig von Rezeptur und Wandstärke sind unterschiedliche Brandschutzklassifizierungen erhältlich.

Hydrolysestabilisiertes PBT

Hydrolysestabilisierte Typen sind für Bauteile vorgesehen, die über längere Zeit gleichzeitig Feuchtigkeit und erhöhten Temperaturen ausgesetzt sind. Typische Einsatzbereiche finden sich im Fahrzeugbau, in Sensoren und in elektrischen Stecksystemen.

Schlagzäh modifiziertes PBT

Schlagzäh modifizierte Varianten reduzieren die Sprödbruchneigung und eignen sich für Bauteile, die Stoßbelastungen, Montagekräften oder niedrigen Temperaturen standhalten müssen.

PBT-Blends

PBT kann mit anderen Polymeren kombiniert werden. Solche Blends werden beispielsweise eingesetzt, um Schlagzähigkeit, Verzug, Oberflächenqualität oder Verarbeitungsverhalten gezielt zu beeinflussen. Die Eigenschaften eines Blends können sich deutlich von denen eines reinen PBT unterscheiden.

Typische Anwendungen von PBT Kunststoff

Elektrotechnik und Elektronik

In elektrischen Anwendungen profitiert PBT von seiner geringen Wasseraufnahme, guten Isolation und hohen Maßhaltigkeit. Der Werkstoff wird unter anderem für Steckverbinder, Anschlussleisten, Schalter, Relaissockel, Spulenkörper und Gehäuse eingesetzt.

Fahrzeugbau

Im Fahrzeugbau findet PBT unter anderem in Stecksystemen, Sensoren, Aktuatorengehäusen, Beleuchtungskomponenten und Bauteilen im Motorraum Verwendung. Für Bereiche mit Feuchtigkeit und Wärme werden häufig hydrolysestabilisierte und glasfaserverstärkte Typen eingesetzt.

Maschinen- und Anlagenbau

Im Maschinen- und Anlagenbau eignet sich PBT für maßhaltige Gehäuse, Träger, Abdeckungen, Funktionselemente und elektrisch isolierende Komponenten. Für stark gleitend oder abrasiv beanspruchte Teile können andere technische Kunststoffe jedoch besser geeignet sein.

Haushalts- und Gerätetechnik

PBT wird in Haushaltsgeräten und technischen Geräten beispielsweise für Schalterkomponenten, Stecksysteme, Lüfterteile, Gehäuse und temperaturbeanspruchte Konstruktionselemente eingesetzt.

Sensorik und Automatisierung

Die Maßhaltigkeit und elektrischen Eigenschaften machen PBT für Sensorhalter, Sensorgehäuse, Steckkontakte und Komponenten automatisierter Anlagen interessant. Bei direktem Medienkontakt muss die chemische Beständigkeit für den konkreten Einsatzfall geprüft werden.

PBT oder PA – welcher Kunststoff ist geeigneter?

PBT und PA Kunststoff werden häufig für technisch belastete Bauteile verwendet, unterscheiden sich aber deutlich in ihrem Feuchte- und Verschleißverhalten.

Kriterium PBT PA 6 beziehungsweise PA 66
Wasseraufnahme gering deutlich höher
Maßhaltigkeit bei Feuchtigkeit sehr gut stärker feuchteabhängig
Elektrische Eigenschaften vergleichsweise feuchtestabil stärker von Feuchtigkeit beeinflusst
Verschleiß- und Gleiteigenschaften gut, typabhängig häufig besser
Zähigkeit typabhängig, teils kerbempfindlich häufig höher
Spritzgussverarbeitung schnelle Kristallisation gut etabliert, typabhängig

PBT ist häufig die bessere Wahl, wenn Maßhaltigkeit, elektrische Isolation und geringe Feuchtigkeitsaufnahme im Vordergrund stehen. PA kann vorteilhaft sein, wenn hohe Zähigkeit, dynamische Belastbarkeit oder ausgeprägte Verschleißeigenschaften benötigt werden.

PBT oder PET – die Unterschiede

PBT und PET Kunststoff gehören beide zu den thermoplastischen Polyestern. Ihre chemische Verwandtschaft bedeutet jedoch nicht, dass sie in jeder Anwendung austauschbar sind.

Kriterium PBT PET
Kristallisationsverhalten schneller langsamer
Spritzguss-Zykluszeit häufig kürzer stärker von Prozessführung abhängig
Maßhaltigkeit sehr gut sehr gut
Steifigkeit hoch häufig etwas höher, typabhängig
Schlagzähigkeit häufig günstiger häufig kerbempfindlicher
Typische technische Nutzung Stecker, Gehäuse, Sensorik Präzisions- und Verschleißteile, technische Halbzeuge

PBT wird besonders häufig für komplexe Spritzgussteile in großen Stückzahlen eingesetzt. Technisches PET kann Vorteile bei Steifigkeit, Härte, Kriechverhalten und mechanisch präzisen Bauteilen bieten. Entscheidend ist das konkrete Anforderungsprofil.

PBT oder POM?

PBT und POM Kunststoff besitzen beide eine geringe Wasseraufnahme und gute Maßhaltigkeit. POM bietet häufig bessere Gleit- und Verschleißeigenschaften sowie eine hohe Rückstellfähigkeit. PBT ist dagegen für viele elektrische Anwendungen vorteilhaft und in zahlreichen flammgeschützten oder glasfaserverstärkten Varianten erhältlich.

Für Zahnräder, Lager und bewegte Präzisionsteile kann POM geeigneter sein. Für Steckverbinder, Spulenkörper und elektrisch isolierende Gehäuse wird häufig PBT bevorzugt.

Vorteile und Grenzen von PBT

Vorteile Zu berücksichtigende Grenzen
geringe Wasseraufnahme Trocknung vor der Schmelzeverarbeitung erforderlich
gute Maßhaltigkeit teilkristalline Verarbeitungsschwindung
gute elektrische Isolation Eigenschaften stark von der Materialtype abhängig
gute chemische Beständigkeit empfindlich gegenüber bestimmten Laugen und Hydrolysebedingungen
schnelle Kristallisation Kerbempfindlichkeit bei ungünstiger Konstruktion
kurze Spritzgusszyklen möglicher Verzug bei faserverstärkten Typen
zahlreiche modifizierte Varianten keine pauschale Temperatur- oder Brandschutzfreigabe

Wann ist PBT die richtige Werkstoffwahl?

PBT ist besonders geeignet, wenn mehrere der folgenden Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden müssen:

  • geringe Maßänderung bei wechselnder Luftfeuchtigkeit
  • gute elektrische Isolation
  • präzise und komplexe Spritzgussgeometrien
  • kurze Zykluszeiten in der Serienproduktion
  • Kontakt mit Ölen, Fetten oder Kraftstoffen
  • erhöhte Steifigkeit durch Glasfaserverstärkung
  • flammgeschützte Materialausführung
  • gute Oberflächenqualität
  • thermisch belastete Gehäuse und Träger

PBT ist dagegen nicht automatisch die beste Wahl für dauerhaft heiße Wasserumgebungen, extreme Schlagbelastungen, stark gleitende Bauteile oder Anwendungen oberhalb des typabhängigen Temperaturbereichs. In diesen Fällen sollten Alternativen wie POM, PA, PET, PPS, PEI oder PEEK geprüft werden.

PBT-Bauteile und Werkstoffauswahl mit Martan Plastics

Die Auswahl der geeigneten PBT-Type hängt nicht allein vom Werkstoffnamen ab. Entscheidend sind die tatsächlichen Betriebsbedingungen und die geforderten Bauteileigenschaften.

Für eine belastbare Material- und Fertigungsempfehlung sind insbesondere folgende Angaben hilfreich:

  • Bauteilzeichnung oder CAD-Daten
  • Abmessungen und Toleranzen
  • mechanische Belastung
  • Dauer- und Spitzentemperaturen
  • Kontakt mit Feuchtigkeit oder Chemikalien
  • elektrische Anforderungen
  • Brandschutz- und Zulassungsvorgaben
  • gewünschte Stückzahl
  • Oberflächen- und Farbanforderungen

Martan Plastics unterstützt Sie bei der Auswahl geeigneter technischer Kunststoffe und bei der Umsetzung anwendungsspezifischer Kunststoffkomponenten für industrielle Einsatzbereiche.

FAQ zu PBT Kunststoff

Was bedeutet PBT bei Kunststoffen?

PBT steht für Polybutylenterephthalat. Es handelt sich um einen teilkristallinen thermoplastischen Polyester, der vor allem für maßhaltige elektrische und technische Bauteile verwendet wird.

Ist PBT ein Thermoplast?

Ja. PBT ist ein thermoplastischer Kunststoff. Es wird bei ausreichender Erwärmung formbar und kann unter anderem im Spritzguss verarbeitet werden.

Wie temperaturbeständig ist PBT?

Die zulässige Einsatztemperatur hängt von der jeweiligen PBT-Type, Belastung und Einsatzdauer ab. Bei vielen Typen liegt der langfristige Einsatzbereich ungefähr zwischen 100 und 130 °C. Verstärkte oder speziell stabilisierte Varianten können höhere Anforderungen erfüllen.

Ist PBT wasserfest?

PBT nimmt nur wenig Wasser auf und bleibt deshalb bei wechselnder Luftfeuchtigkeit vergleichsweise maßhaltig. Gegenüber dauerhaftem Kontakt mit heißem Wasser oder hoher Feuchte bei erhöhter Temperatur ist Standard-PBT jedoch nicht unbegrenzt beständig. Dafür können hydrolysestabilisierte Typen erforderlich sein.

Muss PBT vor dem Spritzguss getrocknet werden?

Ja. PBT muss vor der Schmelzeverarbeitung sorgfältig getrocknet werden. Restfeuchte kann bei hoher Verarbeitungstemperatur einen hydrolytischen Materialabbau verursachen. Die konkreten Trocknungsparameter richten sich nach dem Materialdatenblatt.

Was ist PBT GF30?

PBT GF30 ist ein mit etwa 30 Prozent Glasfasern verstärktes PBT. Die Verstärkung erhöht insbesondere Steifigkeit, Festigkeit und Wärmeformbeständigkeit und reduziert die Verarbeitungsschwindung.

Ist PBT für elektrische Bauteile geeignet?

Ja. PBT wird häufig für Steckverbinder, Schalter, Spulenkörper und Gehäuse verwendet. Für konkrete Anwendungen müssen die elektrische Festigkeit, Kriechstromfestigkeit, Brandschutzklasse und erforderlichen Zulassungen der jeweiligen Materialtype geprüft werden.

Was ist der Unterschied zwischen PBT und PA?

PBT nimmt deutlich weniger Feuchtigkeit auf und bleibt dadurch maßhaltiger. PA bietet je nach Type häufig eine höhere Zähigkeit und bessere Verschleißeigenschaften. Die Auswahl hängt von der Anwendung ab.

Was ist der Unterschied zwischen PBT und PET?

PBT kristallisiert schneller und lässt sich deshalb häufig mit kürzeren Zykluszeiten spritzgießen. PET kann bei bestimmten technischen Anwendungen Vorteile hinsichtlich Steifigkeit, Härte und Kriechverhalten bieten.

Ist PBT chemikalienbeständig?

PBT ist gegenüber vielen Ölen, Fetten, Kraftstoffen und Lösungsmitteln beständig. Die Eignung muss dennoch für das konkrete Medium, dessen Konzentration, Temperatur und Einwirkdauer geprüft werden.

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